„Warum ist es am Rhein so schön?“
Internationale Pilgerfahrt 2019 in Deutschland

Im Sommer 2019 waren die deutschen Gefährten Gastgeber der Internationalen Pilgerfahrt. 111 PilgerInnen aus 7 Nationen sind der Einladung an Rhein und Lahn gefolgt und waren in 5 Gruppen auf unterschiedlichen Routen unterwegs. Neun Tage lang einfach leben, Glauben teilen, als Gruppe zusammen wachsen. Und dabei die Landschaft genießen.

Pilgerzeichen: Anker

Passend zum Jahresthema „Hoffnung“ wurde der Anker als Pilgerzeichen ausgesucht. Jeder Teilnehmer erhielt einen Anker-Anhänger an einem blauen Band, der während der Pilgerfahrt um den Hals getragen wurde. Während der Eröffnungsfeier erläutert Werner die Symbolik des Ankers:

„Anker“ ist ein uraltes griechisches Wort, „angkura“. (…) Der Anker taucht auch in der Bibel auf, im Neuen Testament, das ja zum Teil auf Griechisch geschrieben wurde. Im Hebräer-Brief heißt es: „Die Hoffnung, dass Gott Wort hält, ist wie ein fester und sicherer Anker.“ Gemeinsam mit dem Kreuz für den „Glauben“ und dem Herz für die „Liebe“ bildet der Anker für die „Hoffnung“ die wichtigsten drei Symbole der Christen. Schon Paulus sagte: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Und die Liebe ist die stärkste unter ihnen.“ (…)

Die Hoffnung, dass Gott Wort hält, ist ein wunderbares Geschenk, ein wichtiges Werkzeug,

  • das mich mit Neugier und Offenheit durchs Leben segeln lässt
  • das mich in Lebensflauten Geduld und Gelassenheit lehrt
  • das mir im Sturm Mut macht und mir Weisheit schenkt, um nicht unterzugehen.
Entsendungssegen

Gott, geleite uns auf allen Wegen.
Lass uns deine Gegenwart erfahren.
Lass uns neue Menschen und Landschaften wahrnehmen
und ihnen mit Respekt begegnen.
Mehre unseren Glauben,
stärke unsere Hoffnung
und erneuere unsere Liebe.

Gruppennamen: HoffnungsträgerInnen

In Anlehnung an das Jahresthema „Hoffnung im christlichen Glauben und die Konsequenzen daraus“ wurden die fünf Pilgergruppen nach Hoffnungsträgern benannt. Das sind Menschen, die ihre Kraft und Hoffnung aus ihrem Glauben ziehen und anderen Hoffnung geben können:

Cläre Barwitzky

ging 1935 als Seelsorgehelferin nach Frankreich und war während der deutschen Besetzung in einer katholischen Familienpflegeeinrichtung tätig. Diese betrieb ein Heim bei Chamonix, in dem 1943 bei Beginn der antisemitischen Kampagne 30 jüdische Kinder vor der Deportation Schutz fanden. Um ihre Identität zu verbergen, wurden sie mit gefälschten Ausweispapieren versehen. Cläre Barwitzky betreute die Kinder zusammen mit der französischen Leiterin und zwei jüdischen Frauen. Im Spätsommer 1944 wurde das Gebiet befreit.
Im März 1991 wurde Cläre Barwitzky postum als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet.

Franz Stock

war ein deutscher katholischer Priester und betreute während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg als Seelsorger die Häftlinge in den Gefängnissen der zum Tode Verurteilten. Vielen Menschen rettete Franz Stock das Leben, indem er Warnungen aussprach und Informationen weiterleitete. Oftmals konnte er es erreichen, dass Todesurteile abgemildert oder die Zahl der geplanten Geiselerschießungen reduziert wurde. Zeugnisse Überlebender dokumentieren Stocks aufopferungsvollen Dienst an den Verurteilten, seine Menschlichkeit und sein Zugehen auf andere, ohne sich selbst zu schonen.
Franz Stock gilt als ein Wegbereiter der Deutsch-Französischen Freundschaft.

Franziska Schervier

stammte aus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie. Sie gehörte zu den richtungsweisenden Persönlichkeiten der karitativ-sozialen Bewegung des 19. Jahrhunderts und zeichnete sich schon von Jugend an durch Frömmigkeit und große Nächstenliebe aus. Ihr Vorbild wurde der Heilige Franz von Assisi. 1845 begann sie mit vier gleichgesinnten Mädchen ein gemeinsames klösterliches Leben, wobei sie einen großen Schwerpunkt bei der Krankenpflege setzten.
Bereits sechs Jahre später wurde Scherviers Vereinigung unter dem Namen Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus zu einer klösterlichen Gemeinschaft erhoben.

Friedrich von Bodelschwingh

war evangelischer Pastor, Theologe und Leiter der Evangelischen Heilund Pflegeanstalt für Epileptische Bethel. Er erdachte mehrere für seine Zeit ungewöhnliche und kreative Konzepte, um a) an Spenden zu gelangen und b) den Bedürftigen Arbeit zu verschaffen. So gründete er die Brockensammlung, eine Altkleidersammlung, die noch heute existiert; Bethel-Bewohner fanden und finden so Arbeit beim Sammeln, Sortieren und Ausbessern der Kleidung, die dann verkauft wird.
Zu den bekanntesten Einrichtungen gehört die 1906 ins Leben gerufene Briefmarkensammelstelle.

Foto: bethel.de
Sr. Lea Ackermann

Dr. phil., trat 1960 dem Orden der Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von Afrika („Weiße Schwestern“) bei. Als Lehrerin in Ruanda und Kenia erlebte sie, wie gerade die Frauen zu Opfern von Sex-Geschäften, sexueller Ausbeutung und Menschenhandel wurden. Aus ihren Erfahrungen mit von Sextourismus und Zwangsprostitution betroffenen Frauen entwickelte Ackermann ihr Missionsverständnis. 1985 gründete sie in Kenia das Frauenprojekt SOLWODI (Solidarity with women in distress). Mit Beratungs- und Bildungsangeboten hilft es, dass die geschädigten Frauen (wieder) auf eigene Füße kommen.
Inzwischen gibt es auch in Deutschland mehrere SOLWODI-Kontaktstellen.

Foto: epd/Solwodi
Aus dem Abschlussgottesdienst
„Ein Blütenmeer der Zuversicht“

Sheana Barby / Josef Gerwing

Es ist schön, am Ende unserer Internationalen Pilgerfahrt, euch bepackt mit vielen hoffnungsvollen Erfahrungen und Begegnungen wiederzusehen.

Es ist wie ein Frühling im Sommer. Im Frühling erwacht die Natur zu neuem Leben. Alles treibt, sprießt, wächst und entfaltet sich. Die Frische eines neuen Tages, so manche Blume am Wegesrand und unsere Gespräche machen froh und schenken neue Hoffnung. Und jeder Sonnenstrahl tat und tut sein Übriges. Gefährten erwachen zu neuem Leben nach einer gemeinsamen Pilgerfahrt und sind voll Zuversicht (ein anderes Wort für Hoffnung), dass eines schönen Tages alle Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, aller Neid, Hass, Streit und jegliche Lieblosigkeit, Unfreiheit und Ungerechtigkeit weichen werden und dann eine jede Freundlichkeit zum Blumenmeer wird.

Denn: Wer anderen eine Blume sät, blüht selber auf.

Links